Ein Franke zieht nach Holland - Ein Bericht von Holger Seefeld
Seit etwa sieben Monaten sind unsere Spaziergänge deutlich flotter geworden. Genauer gesagt seit Ende Juli 2008, als ein Rentner in unsere Familie kam. Es handelt sich um Olek, einen zehnjährigen Beaglerüden aus der Frankenmeute, über die ja schon mehrfach in dieser Zeitung berichtet wurde. Und durch Living with Beagles sind wir überhaupt erst auf den flotten Senior aufmerksam geworden… Aber von vorne:
Schon seit längerer Zeit dachten wir darüber nach, uns noch einen zweiten Hund ins Haus zu holen. Es sollte auch wieder ein Beagle sein. Nachdem wir vorher schon andere Hunde hatten (einen großen Jagdhund-Mischling und einen Rottweiler aus dem Tierheim), entschieden wir uns vor gut drei Jahren für einen Beagle, wegen seiner Größe (wir wohnten derzeit in einer Wohnung in der dritten Etage) und weil wir erfuhren, dass dieses „Modell“ unkompliziert und pflegeleicht sei. Also zog im Winter vor etwa drei Jahren der Beaglewelpe Benny bei uns ein – und sorgte zunächst einmal für feuchte Fußböden, weil er die Aussicht, für sein Geschäft mehrmals täglich die lange Treppe in die Kälte und den (in jenem Jahr hartnäckig lange bleibenden) Matsch getragen zu werden, wenig verlockend fand. Wir dachten schon über eine Hundetoilette in der Wohnung nach, bis nach einigen Wochen auch Benny endlich stubenrein wurde und sich auf die Spaziergänge freuen konnte. Dazu trug vor allem die fast gleichaltrige Nachbarshündin Ronja, ein Australian Shepherd, bei, die zu Bennys bester Freundin wurde und mit ihrem Frauchen (Danke, Monika!) die täglichen Spaziergänge zu ausgiebigen und entspannenden Auszeiten im Alltag werden ließ.
Seither hat Benny der Beagle unsere Erwartungen erfüllt: Er ist verspielt und trotzdem ein ruhiger und ausgeglichener Hund, verträgt sich mit seinen Artgenossen und macht im Alltag alles mit. Er kann gut alleine bleiben, hat nie etwas zu Hause kaputtgemacht und kläfft nicht. Andererseits entspricht er nicht dem Beagle-Klischee: Er ist beim Futter eher wählerisch und geht ohne Probleme beim Spaziergang ohne Leine. Er hört gut und lässt sich dabei auch nicht von Hasen oder anderem gut riechenden und schnell ausreißenden Getier aus dem Konzept bringen. Alles in allem ist er zum liebenswerten Begleiter und zur besten Empfehlung für seine Rasse geworden.
Deshalb konnten wir uns also gut vorstellen, noch einen zweiten Beagle zu nehmen. Als wir Anfang des letzten Jahres aus beruflichen Gründen in die Niederlande zogen und dort ein Haus mieteten, dachten wir konkreter über verschiedene Möglichkeiten nach: Wieder ein Welpe oder vielleicht diesmal ein Laborbeagle? Und dann lasen wir von der Frankenmeute und ihren Senioren: In der Ausgabe 02/2008 von Living with Beagles wurde unter der Überschrift „Pensionäre suchen ein neues Zuhause“ auch Olek vorgestellt, 10 Jahre alt, „ein ganz, ganz Lieber“.
Das ist doch auch eine Option für uns, dachten wir. So ein Meutehund ist das Leben in der Gruppe gewohnt, hat schon aufregende Zeiten hinter sich und weiß wahrscheinlich ein ruhiges Plätzchen zu schätzen. Man kann sich anschauen, wo er herkommt, sich bei Bedarf Rat bei der Frankenmeute (deren Mitglieder ja auch jahrelange Erfahrung in der Haltung ihrer Senioren haben) holen und kann den Zeitpunkt für die Abholung gut planen und absprechen. Als mögliche negative Aspekte sahen wir Tierarztkosten, die bei einem älteren Hund ja wahrscheinlich über die Impfungen und Entwurmungen hinausgehen und eventuell (z.B. bei notwendigen Operationen) hoch sein können, die Frage, ob so ein professioneller Jäger so entspannte Spaziergänge wie bisher mit unserem Benny erlauben würde und – ja, auch die Möglichkeit, dass ein solcher Senior eben „seine letzten Jahre“ mit uns verbringen wird und wir uns unter Umständen vielleicht schon bald wieder von ihm verabschieden müssten.
Nach ein paar Wochen riefen wir bei Frau Lehr, der Verfasserin des „Pensionäre…“-Artikels, an und erfuhren, dass Olek noch nicht vermittelt sei. In mehreren Telefongesprächen bekamen wir alle unsere Fragen beantwortet: Wie ist das denn mit dem Jagdtrieb, wie verhalten sich die Rentner im Haus, welches Futter benötigen sie, müssen wir wieder für eine längere Zeit mit nassen Fußböden rechnen? usw. usw. … Schließlich machten wir einen Termin für einen Besuch bei der Frankenmeute aus.
Dafür fuhren wir zu dritt an einem Samstag im Juli von Heerlen nach Reumannswind und wurden dort mit Kaffee und Kuchen und viel Gebell empfangen. Nach einer Besichtigung des Hofes und der Meute und einem gemeinsamen Spaziergang mit Benny und Olek wussten wir, dass sich die Fahrt gelohnt hat. Wir gaben der Frankenmeute für Olek eine Spende und fuhren zu viert am Sonntag wieder zurück.
Was hat sich seitdem getan? Benny und Olek haben sich recht schnell und ohne Machtkämpfe aneinander gewöhnt. Eine „Rangordnung“ ist in unserem kleinen Rudel nicht zu erkennen, eher sehr unterschiedliche Interessen: Benny möchte gern mit Olek spielen und ist ansonsten ruhig und bequem (auch zum Spaziergang lässt er sich gern bitten), Olek interessieren Spielzeug und Rangeleien nicht, dafür ist er auf Schritt und Tritt an Herrchens und Frauchens Seite und möchte immerzu gestreichelt werden (auch wenn er dabei fast im Sitzen einschläft). Die beiden teilen sich die Schlafplätze im Haus, aber nicht den Futterplatz. Benny würde beim Prinzip „jeder bekommt das, was er sich vom gemeinsamen Futter ergattert“ auch ziemlich schlecht dastehen, weil Olek sein Futter (ganz normales Trockenfutter mit unterschiedlichen Beigaben übrigens) eher einatmet als frisst. Also achten wir auf ein wenig Abstand und immer gleiche Leckerchen-Zuteilung.
Olek hat nie im Haus seine Geschäfte erledigt und von Anfang an völlig problemlos die Hundetür zu unserem Hof benutzt. Er liebt die täglichen Spaziergänge in der Heide und läuft dort mittlerweile fast immer ohne Leine. Dabei hat er – wie eingangs erwähnt – ein ordentliches Tempo drauf und läuft gerne die längeren Wege mit Abstechern nach links und rechts, lässt sich aber wieder gut heranrufen und natürlich gerne manchmal dafür mit einem Leckerchen belohnen. Wir haben den Eindruck, dass sein Gehör und seine Sehkraft nicht mehr die allerbesten sind, aber sonst ist er topfit. Auch zu zweit bleiben Benny und Olek problemlos ohne uns zu Hause und machen keinen Unsinn. Insgesamt hat sich Olek also sehr gut bei uns eingelebt und macht einen zufriedenen Eindruck, wenn er durch die Heide tobt, sich aber mittlerweile auch Zeit zum ausgiebigen Schnüffeln nimmt (am Anfang ist er fast nur gesprintet) und danach gemütlich mit uns die Couch teilt.
Die vermuteten höheren Tierarztkosten sind allerdings auch eingetreten, denn Olek konnte im August durch eine stark vergrößerte Prostata weder Wasser lassen noch Kot absetzen und musste deshalb kastriert werden. Außerdem haben wir seine Zähne einer gründlichen Behandlung unterziehen lassen (Zahnsteinbeseitigung und Wurzelentfernung von abgebrochenen Zähnen), um Entzündungen und Infektionen vorzubeugen. Diese Eingriffe waren aber nicht mit astronomischen Kosten verbunden und Olek hat sie gut überstanden.
Wir hoffen natürlich, dass es unserem Olek noch lange so gut geht wie jetzt und dass auch alle anderen lebenslustigen, streichelsüchtigen und dankbaren Meute-Oldies ein schönes Rentnerleben haben. Wir können die Senioren nur empfehlen und unsere Erfahrungen gerne an Interessierte weitergeben.



...Danke Herr Seefeld und liebe Grüße an Olek von der Frankenmeute!