Präsidiumsjagd am 19.11.2O11 in Weismain

Manch Einer, der zum 1. Mal vom Navi oder durch zuvor erfolgtem Blick in die Autokarte von der A 72 kommend den Weg nach Weismain zur gemeinsamen Jagd der Frankenmeute und der Beaglemeute Münsterland gewiesen bekam, dürfte sich gewundert haben: Wo, um Alles in der Welt kann man den hier jagen? Nur noch 9 Km bis Weismain, aber links und rechts in einem oft nur 100 bis 200 Meter breiten Tal ragen nahezu senkrecht bizarr geformte Mauern aus grauem Dolomit in den wabernden Nebel, den ein Sonnenstrahl zu durchdringen wohl kaum Einer für möglich hielt. Doch plötzlich, das Ortsendeschild eines kleinen, scheinbar unbewohnten Dorfes gab die Entfernung zum gewünschten Ziel mit nur noch 4 Km an — weitete sich das gewundene unter Naturschutzschutz stehende Kleinziegenfeldertal – so heißt dieser verwunschene Ort —‚ der Hochnebel begann sich nur zögerlich zu lichten und gleich darauf durchfuhr man das Obere Tor und befand sich in Mitten einer Fränkischen Stadtidylle mit überreicher Fachwerksarchitektur. Gut sichtbar aufgestellte Schilder wiesen den Weg für die Gespanne und Gäste auf den großen für die übrige Öffentlichkeit gesperrten Parkplatzes am Kastenhof im Schatten der spätgotischen Stadtpfarrkirche St. Martin. In Kürze füllte sich dieser Platz, er vermochte gerade noch die Vielzahl der Fahrzeuge mit Kennzeichen aus dem gesamten Fränkischen Raum, aus Schwaben, der Oberpfalz und Niederbayern, aus Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt zu fassen, musste doch noch genügend Raum für das Stelldichein verbleiben.

 Lebhaft ging es zu beim üppigen Brunch im liebvoll dekorierten Schönbornsaal des im Jahre 1703 errichteten Kastenhofes. Dem Ereignis angemessen — 35 Jahre Frankenmeute, 65. Geburtstag des Masters Ludwig Dittrich und der 70. Geburtstag des Präsidenten Jürgen Hoepffner — wurden einige zum Teil emotionale Reden gehalten, in denen insbesondere die Verdienste des Masters in den Vordergrund gerückt wurden. Besonders herzlich klangen die Worte des Joint-Masters der BMM, Thorsten Witte, der die seit langem bestehende enge Verbindung und Freundschaft beider Meuten betonte.

 Endlich ertönte das Signal „Sammeln der Reiter“. Wer nun zum Kastenhof hinaus zu den Gespannen lief, wollte seinen Augen nicht trauen: Strahlender Sonnenschein, fast Windstille, milde Temperaturen, Spätherbst! Schnell gesattelt und aufgesessen, da bliesen auch schon die Hörner der Trompes FranconienneS „Sortie du chenil‘, das Signal, um die Hunde aus den Transportfahrzeugen zu holen. Auch für diejenigen Jagdreiter, die schon des Öfteren hinter zwei oder mehr Meuten geritten sind, ein immer wieder faszinierendes Bild: Die Hunde verschiedener Meuten laufen aufeinander zu, kurzes Schnuppern, kaum ein Knurren, vielleicht ein „Hallo Kumpel, lange nicht gesehen“, und schon schienen sie Alle eine  Meute zu sein, 26 Fränkische und 25 Münsterländer Beagles! Geschlossen im Appell wurden sie von der Equipage hinaus durch die Stadt geführt, gefolgt von 39 Reitern. Diese hatten noch einmal die Gelegenheit, die zahlreichen wunderschönen Häuserfronten zu bewundern, bevor der erste Run begann. Nur gut, dass die Pferde über die längere Schrittpassage durch Weismain warm geworden waren, ging es doch gleich zur Sache, galt es schließlich im scharfem Galopp der Meute zu folgen, die mit hellem Geläut den Trittsiegeln des „Schleppenlegerpferdes“ die steilen Hänge hinauf Richtung Krassach nachspürte.

Wald, Wiesen und durchgängig gut zu bereitende Wege bergauf und bergab wechselten sich ab, das Tempo war hoch, nur selten überschossen die Kopfhunde, also keine Gelegenheit für Reiter und Pferde zu verschnaufen. Die kam erst beim Stopp nahe Wonsig. Auf einer großen Wiese bei herrlichem Sonnenschein, mit weitem Blick über die Höhen des Frankenwaldes und der Fränkischen Schweiz wurde neben Knackwurst und Brötchen vor allem nach Wasser, Schorle und vielleicht dem einen oder anderen Bier verlangt, der Glühwein hingegen, grundsätzlich dem,Datum der Jagd angemessen, blieb verschmäht.

Bald ging es weiter über die Hochflächen von Wunkendorf, dann wieder in weitem Bogen nördlich von Wonsig über coupiertes Gelände, hinunter ins Tal, dann wieder hinauf zum letzten Run zwischen Wachholderbüschen hindurch auf den Gipfel des Kalkberg. Hier, mehr als 130 Meter über Weismain erklang das Halali, leuchtende Augen bei allen Reitern, Hände schütteln. Dann ging es im Schritt hinunter ins Städtchen. Gut 20 Km mit beträchtlichen Höhenunterschieden hatten nunmehr Pferde und Hunde zurückgelegt, und dennoch sah man kaum Erschöpfung. Das Wichtigste aber war, dass trotz des einen oder anderen Rumplers an den Hindernissen mit nachfolgender Trennung von Reiter und Ross nur die eine oder andere Hose bzw. Reitrock auf Bodenkontakt schließen ließen, Blessuren jedenfalls gab es keine.

Wohl verdient für die schnellen und spurtreuen Beagles war das Cureè am Kastenhof, untermalt von den traditionellen Trompesklängen der Venerie. Nach der Versorgung der vierbeinigen Sportskameraden traf sich die Jagdgesellschaft im Hotel „Alte Post“ am Markplatz, um in geselliger Runde den Jagdtag Revue passieren zu lassen. In manchen Gesprächen stand die hervorragende Arbeit der Hunde im Vordergrund. Auch wurde die verblüffende Tatsache diskutiert, dass die Beagles der BMM ohne den gewohnten Scent ihres Schleppenlegers genauso passioniert und spurtreu jagten, wie es ihre Fränkischen Kollegen getan hatten.

Es sage Keiner, die Münsterländer seien nur hinterhergelaufen, nein, sie wechselten sich durchaus mit den Franken in der Führungsarbeit ab. Der Eindruck einer Meute blieb immer erhalten. Böse Zungen behaupten, die Letzten hätten das gastliche Haus erst zu einer Zeit verlassen, als man im Städtchen schon begonnen hatte, die Gehsteige hochzuklappen, weil außer fröhlichen Jagdgästen Niemand mehr auf den Beinen war. Ich meine, das war der Beweis, dass es Allen gefallen hat.

Sicher ist: Weismain, wir kommen wieder!

Jürgen Hoepffner

 

  

  



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